Machbarkeitsstudie Wohnüberbauung Esslingen
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Bauherrschaft: Privat
Projektteam: BASK Architektur Städtebau GmbH, Zürich; Eckert Architekten GmbH, Zürich; Rotzler Krebs GmbH Landschaftsarchitekten BSLA, Winterthur; Gartenmann Engineering AG, Zürich

Planungsabsicht

Zunächst wird die Planungsabsicht formiuliert. Darin werden die Ziele und Rahmenbedingungen für die Planung einer nachhaltigen Wohnsiedlung auf dem Areal festlegt.

Das vorhandene Grundstück soll nicht aufgeteilt werden. Das Projekt ist die Altersvorsorge für die Erben und als langfristige Renditeanlage mit teilweisem Eigenbedarf zu planen mit optimierter Wertschöpfung in Realisierungs- und Nutzungsphase. Es soll selbsttragend sein und einen langfristigen Überschuss erwirtschaften. Dabei soll ein beispielhaftes Bauprojekt für den Umgang mit den gegebenen örtlichen, ökonomischen, öko-logischen und energetischen Rahmenbedingungen umgesetzt werden.
Die Voraussetzungen für eine gut durchmischte soziale Struktur der Bewohnerschaft sollen in jeder Bauetappe gewährleistet sein. Einfache und werterhaltende Bauten mit für die Lage des Areals bezahlbaren Wohnungen sollen realisiert werden. Die Bauten sollen ökologisch, nach aktuellen Regeln der Baukunst und mit hohem Grad an Nachhaltigkeit erstellt werden. Bauten und Aussenräume sollen qualitativ hohen architektonischen und städtebaulichen Anforderungen gerecht werden.

Der Standort

In der Analyse des Standortes wird das Areal nach städtebaulichen und architektonischen Aspekten unter-sucht. Dabei liegt der Fokus auf dem regionalen Massstab, der Ortsentwicklung, den planerischen Vorgaben des Areals und des Baurechts, der Besonnung und Verschattung, der möglichen Entwicklungen in der Nachbarschaft sowie der Topografie.

Die Identität

Auch in Zukunft sollen sich neue und alte Bewohner und Benutzer mit dem Areal identifizieren können. Es soll für diese eine neue Heimat werden oder eine vertraute Heimat bleiben.
Somit spielt die Identität eine bedeutende Rolle für die langfristige Entwicklungs- und Wohnqualität dieses Teiles von Esslingen. In der Planung des neuen Areals soll ein sorgfältiger und verantwortungsbewusster Umgang mit Themen wie „alt und neu“, „vertraut und neuartig“ angestrebt werden.
Dabei wird Heimat als Umgebung verstanden, die immer wieder dem Anspruch der Identifikation gerecht wird. Sie verweist auf eine Beziehung zwischen Mensch und Raum. Heimat beschäftigt sich mit Dingen, mit denen sich Menschen identifizieren können und die sie positiv bewerten. Heimat ist die Gesamtheit aller Lebensumstände.

Vertraute lokale Strukturen werden untersucht und mögliche Transformationen dieser Strukturen für die neue Organisation des Areals entwickelt. Dabei sind das Dorf, die Kulturlandschaft und die Allmende von zentraler Bedeutung und Dienen als grundlegende Strukturen für die Planung.

Bestehende Strukturen
Das Dorf ist eine kleine von Menschen bewohnte Gruppensiedlung, eine Ansammlung gleichzeitiger Häuser mit einer gemeinsamen ökonomischen Grundlage in der Landwirtschaft und gemeinsamen Einrichtungen.
Kulturlandschaft bedeutet Land, das unter dem Einfluss der Kultur steht und damit bewirtschaftet wird und keinesfalls als „natürlich“ bezeichnet werden kann.
Die Allmende besteht meist aus unbeweglichem Gut wie Wegen, dem Wald, Gewässer zur Löschwasserver-sorgung oder Weideland.

Mögliche Transformationen dieser Strukturen
Das Dorf als Organisationsprizip einer Siedlung in der sich verschiedene Haustypologien um gemeinsame Einrichtungen gruppieren.
Kulturlandschaft als das bebaubare und zu bewirtschaftende Land, bei dem sich die Kultur in der gemein-samen Pflege des Landes widerspiegelt. Sie ruft eine Gleichzeitigkeit von Ästhetik und Nutzwert hervor.
Die Allmende als gemeinschaftlicher Besitz, der den Rahmen für die Siedlung bildet, wie z.B. die Erschlies-sung, Wege, Plätze, Heizung, Holzlager, Wasserkreislauf, Weiher oder dem Spielplatz. Der gemeinschaftli-che Boden als verbindendes Element und Nutzfläche aller Generationen.


Grundsätzlicher Anspruch an das Gesamtprojekt: Nachhaltigkeit

Nachhaltige Projekte sind Projekte, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigen, ohne die Fähigkeit zu-künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.


Die Vision

Die Vision der Bauherrschaft ist das Erhalten des gesamten, ungeteilten Grundstückes im Familienbesitz. Wir schlagen ergänzend dazu vor, das Land zu bewirtschaften. In der Folge wird anhand von Schamata beispielhaft die unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Zyklen einer Arealbewirtschaftung aufgezeigt. Eine erfolgreiche Arealbewirtschaftung bedarf in bestimmten Abschnitten eines Monitorings, bzw. einer Qualitäts-sicherung der Planungsabsichten und Ansprüche.

Das Land bewirtschaften kann heissen:
betreuen, beaufsichtigen, in Stand halten, beackern, bebauen, anstellen, umgehen, bedienen, sich be-schäftigen, bewerkstelligen,gebrauchen, anpacken, betätigen, sich befassen, betreiben, hantieren, führen, genießen, sich überlassen,sich erbauen, antreiben, in Gang bringen, frönen, sich ergötzen, aufgehen in, leiten, hingeben, sich ergeben, bewegen, ankurbeln, dienen, sich hingeben, auskosten, in Bewegung bringen, verwalten, sich ausleben, verfallen sein, bewässern, aussäen, kultivieren, nutzbar machen, züchten, besiedeln, bepflanzen, stecken, behandeln, erschließen, bestellen, setzen, urbar machen, bearbeiten, kolonisieren, ansäen, bestimmen, besorgen, pflanzen, ertragreich machen, anpflanzen, säen, zivilisieren, erweitern, anbauen, bauen, niederlassen, vergrößern, zubauen, rationieren, bebauen, bepflanzen, beackern, bearbeiten, besorgen, bestellen, nutzbar machen, anbauen, kultivieren, führen, leiten, verwalten, betreuen, etc.

Die Grundbausteine

Die Grundbausteine können für eine Entwicklungtrategie die Ausgangsbasis und ein Potential sein, als funk-tionales und räumliches Leitbild dienen und wichtige Kernpunkte des Nachhaltigkeitskonzepts bilden.
Die folgenden Grundbausteine sind Beispiele, die unmittelbar im Bestand gefunden wurden. Sie stärken die gewachsene Identität und entwickeln diese weiter

Wohnungsmix und Soziale Struktur
Es werden Beispiele für einen Wohnungsmix und für verschiedene Benutzergruppen erarbeitet.
Die gut durchmischte soziale Struktur der Bewohnerschaft wird in den einzelnen Etappen durch eine Vielfalt im Wohnungsangebot (Reihenhäuser, Etagenwohnungen) sowie den unterschiedlichen Zugängen zu priva-ten und öffentlichen Aussenräumen erreicht.



Freiraum
Die essbare Landschaft
Die verwendeten Bäume, Sträucher, Büsche haben einen hohen Nutzwert. Ihre Früchte, Beeren, Nüsse, Blüten, Blätter können gegessen werden. Apfel, Nuss, Birnen, Lindenblüten, Haselnüsse, Johannis-, Him-, Brombeeeren aus der eigenen Gartenlandschaft bilden ein vielfältiges, hausgemachtes Nahrungsangebot.

Der private Aussenraum
Jede Wohnung hat einen Aussenraum. Dies kann ein Garten, eine Terrasse oder ein Balkon sein. Das Wohnen hat, wo möglich, einen starken Bodenbezug.

Der Garten und die Allmend
Klare Unterscheidung zwischen privaten Gärten und landwirtschaftlich genutzter Allmend. Die privaten Be-reiche sind klar abgegrenzt. Der Bereich zwischen den einzelnen Gartenflächen ist als zusammenhängende Allmend ausgebildet (Wiesenfläche mit Obstbäumen). Sie kann als Spielfläche von allen genutzt werden und ist rationell zu bewirtschaften
(Rapid, Mäher).

Das intelligente Wassermanagement
Das anfallende Regenwasser wird gesammelt und als Brauchwasser genutzt (Gartenbewässerung, Teich, WC- Spülungen, etc.). Das Überschusswasser wird vor Ort versickert oder in den Bach eingeleitet. Diese Massnahmen senken mittelfristig die benötigte Menge an Frischwasser und reduzieren die Abwasserge-bühren.

Die Materialien
Verwendung von standortgerechten, einheimischen Materialien in den Gärten. Als Baumaterialien werden vorwiegend Holz, Kies und Naturstein verwendet. Sie kommen aus der Region und haben eine gute Ener-giebilanz. Für die befahrenen Flächen wird normaler Asphalt verwendet.

Die effiziente Erschliessung
Die Erschliessungsflächen für Fahrzeuge sind rationell ins Gelände gelegt und sparsam dimensioniert. Dadurch kann die versiegelte Fläche und der Anteil an Stützmauern minimiert werden. Die Werkleitungen (Wasser, Kanalisation, Elektro, Telefon) liegen unter den Erschliessungsflächen. Ihre Lage erlaubt ein einfa-ches Anschliessen von neuen Häusern und einen rationellen Unterhalt.

Gebäude
Der Flarz
Das Hauptgebäude eines Hofes ist eine kombinierte Typologie, die sich aus verschiedensten Anforderungen an das Gebäude zusammensetzt. (Mix Wohnen, Tiere, Abstellen). Der Flarz gilt als der ureigenste Zürcher Oberländer Haustyp.

Das Appenzeller Bauernhaus
Die Appenzeller Vielzweckbauten sind durch das nachträgliche Zusammenfügen von Wohnteil und Stall-scheune entstanden. Durch diese Bauweise konnten alle Funktionen des Bauernhauses unter einem einzi-gen, schützenden Dach vereint werden. Das ursprüngliche Bauernhaus umfasste Stall, Tenn und Wohnbau.

Die Wirtschaftshäuser
Verschiedene Wirtschaftshäuser können in unterschiedlichen Entwicklungsetappen einen besonderen und gleichzeitig selbstverständlichen Bewirtschaftungs-Wert in der Areals- und gerade auch in der Dorfstruktur einnehmen.

Die räumlichen Prinzipien

Anhand von räumlichen Prizipien werden in verschiedenen Massstäben Möglichkeiten aufgezeigt, um die Arealstruktur zu organisieren, zum Beispiel durch Weiterentwickeln der bestehenden Freiraumqualitäten. Wie verschiedene Gebäudetypologien auf die Eigenheiten des Areals eingehen und z.B. die bestehendeTopografie optimal ausnutzen können.