Umnutzung nicht mehr genutzter landwirtschaftlicher Volumen
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Neuer Wohnraum in Scheune
Umnutzung nicht mehr genutzter Volumen

Viele Gemeinden verfügen über einen wesentlichen Bestand an leeren Scheunen, die mit einem Wohnteil verbunden sind. Sie bilden ein grosses Volumen an umbautem Raum in Zentrums-, Landwirtschafts- und Wohnzonen, das brach liegt. Eine Umnutzung zu Wohnzwecken wird häufig durch Auflagen zum Ortsbildschutz erschwert, etwa durch Beschränkungen von Fenstergrössen.
Das Konzept Anbau in der Scheune bietet eine kostengünstige und ressourcenschonende Möglichkeit, diese bestehenden Volumen zu Wohn-zwecken zu aktivieren. Dabei bleibt der landwirtschaftliche Kontext erhalten. Beim Konzept Anbau in der Scheune geht es nicht darum, die bestehende Scheune maximal auszunutzen.
Ohne die bestehende Struktur zu tangieren, wird der neue Baukörper auf den nicht mehr genutzten Heuboden gestellt. Er bleibt von allen Aussenwänden fern, also auch von der Brandmauer zum bestehenden Wohnteil, was aufwendige Anschlüsse vermeidet. Das bestehende Dach und die Aussenwände der Scheune dienen weiter als Witterungsschutz. Über eine Fensterfassade wird der Innenraum grosszügig belichtet. Dennoch bleibt der äussere Ausdruck dank einer neuen beweglichen Holzverkleidungen erhalten. Der von den angrenzenden Wänden abgesetzte Baukörper ist rundum von Luft umspielt. Dies garantiert nicht nur einen ausgeglichenen Feuchtigkeitshaushalt und ein angenehmes Raumklima, sondern bietet den Bewohnern auch viele unterschiedliche private Aussenräume. Der neue Baukörper wird als Leichtbau haupt-sächlich in Holz erstellt. Die bestehende Tragkonstruktion der Scheune wird falls nötig verstärkt, der neue Baukörper statisch daran angebunden. Die Konstruktion kann vom lokalen Holzbauer realisiert werden. Da die Scheunen in der Regel bereits über alle nötigen Werkleitungen verfügen, können die Installationen an das bestehende Netz angeschlossen werden. Aufwendige Aushubarbeiten sind ebenfalls nicht nötig und es werden keine neuen Flächen für Abstellplätze versiegelt.

Erhaltung von Scheune und Wohnhaus
Gestaltung von Fassaden mit bekannten Elementen

Die umgebaute Scheune verrät erst auf den zweiten Blick ihre neue Bestimmung. Hinter der beweglichen Holzver-kleidung lässt sich die raumhohe Fensterfront des Wohn-Essraumes erahnen. Die vertikal gestellten, beweglichen Bretter dienen der Verschattung. Ehemals für die Trocknung des Heus benötigte Öffnungen und kunstvoll geschnittene Lochmuster lassen Tageslicht zum Wohnraum strömen und erhalten dadurch eine neue Funktion. Die neuen, ergänzenden Bauteile der Fassade sind wie der Bestand aus Holz gefertigt und fügen sich dadurch selbst-verständlich in die Fassade ein. Durch den natürlichen Alte-rungsprozess gleichen sich die Holzteile einander immer mehr an.

Gut belichtetes, freistehendes Wohnvolumen
Einfacher, hölzerner Baukörper in bestehende Struktur eingefügt

Der neue Wohnraum stösst nur mit der Stirn des Wohn-Ess-Raumes an die bestehende Fassade. Die grosszügige Fensterfront hinter der lamellenhaften Aussenhaut lässt viel Tageslicht ins Innere. Sowohl die Galerie im Obergeschoss als auch der damit verbundene überhohe Hauptraum im Stock darunter sind nach aussen orientiert und lichtdurchflutet. Ideal für die Beständigkeit der Holzkonstruktion und das Raumklima im Inneren ist die freie Positionierung des Wohnvolumens auf dem Heuboden. Die allseitigen Zwischenräume ermöglichen eine
gute Luftzirkulation entlang des Baukörpers und damit eine natürliche Feuchtigkeitsregulation. Dank der grossen, optimal ausgerichteten Fensterfront und dem offenen, doppelgeschossigen Hauptraum gelingt es, ein Maximum an Tages-licht in die Tiefe zu holen. Die Oberlicht-kuppeln über dem Wohnraum, dem Bad und der Treppe setzen einzelne Akzente und beginnen bei Sonnenuntergang golden zu leuchten.

Grosszügiger Wohnraum auf dem Heuboden
Wohnqualität mit starkem Bezug zur Landschaft

Von aussen gelangt man ebenerdig zunächst in das Tenn. Es bietet viel Abstellplatz und dient als Schmutz- und Witterungsschleuse. Im angrenzenden, unbenutzten Kuhstall wird mit wenig Aufwand viel Platz zum Spielen, für eine Werkstatt oder für Atelierräume frei. Die für die landwirtschaftliche Nutzung geschaffenen Fahrzeugabstellplätze genügen den Ansprüchen der Wohnnutzung bei weitem. Darüber liegt auf
dem ehemaligen Heuboden der neu erstellte Wohnbau. Die Raumaufteilung lässt sich von der traditionellen Idee der landwirtschaftlichen Gebäude leiten: Herzstück ist der grosse Wohnraum mit Küche. Seine Bedeutung wird durch die doppelgeschossige Raumhöhe unterstrichen. Die lamellen-geschützte, raumhohe Fensterfront belichtet die Stube grosszügig. Im rückwärtigen Teil des Geschosses befinden sich kleine geschlossene Schlafräume, wie sie in landwirt-schaftlichen Bauten oft anzutreffen sind. Davor befindet sich eine kleine Loggia, deren Schiebe-läden sich auf bekannnte Elemente von Scheunen beziehen. Auf der oberen Wohnebene bieten eine Galerie, zwei Zimmer und ein Bad mit Oberlicht vielfältige Rück-zugsmöglichkeiten für die Bewohner. Ein eingeschobener, siloförmiger Körper beherbergt die Bäder beider Geschosse. Die Terrasse mit Gartenzugang und gedeckte Aussenflächen umschliessen das Hauptgeschoss von allen Seiten und können unterschiedlich genutzt werden.
Die bewusste Wahl der Materialien der inneren Oberflächen betonen den ländlichen Charakter der Wohneinheit. Einheimisches Fichtenholz verbreitet nicht nur eine warme und angenehme Atmosphäre, sondern weist auch gute akustische und bauphysikalische Eigen-schaften auf.

Holzbau schafft ein angenehmes Wohnklima
Ökologische, robuste Materialien funktionell verarbeitet

Das hoch wärmegedämmte, von Aussenluft umspülte Wohnvolumen ist konsequent in Holz und Holzwerkstoffen erstellt und mit Celulose gedämmt. Die Aussenhülle ist atmungsaktiv und feuchteregulierend konstruiert. Mit Ausnahme der Abdichtung der Bäder und der Terrasse konnte vollständig auf Kunststoffe verzichtet werden. Alle der Witterung aus-gesetzten Flächen sind in vorfabrizierten Systembauteilen ausgeführt, die sich durch hohe Qualität und niedrige Kosten auszeichnen. Bauteile mit begrenzter Lebensdauer können einfach ersetzt oder überarbeitet werden. Die Bäder sind wie Flachdächer konstruiert: Zu unterst befindet sich eine Folienwanne mit Bodenablauf, darauf liegen ein Zederholzrost als Bodenbelag und Wandverkleidungen in hinterlüftetem Täfer. Die Waschbecken und Ablagen sind aus robustem, wiederverwertbarem Mineralguss gebaut.

Die Bauherrschaft hat sich für eine Metallküche entschieden. Sie bildet in Farbigkeit und Materialität einen Kontrast zu den roh belassenen Holz-flächen, verfolgt jedoch bezüglich Dauerhaftigkeit die gleichen Grundsätze. Eine Finesse ist das Schiebefenster über der Küchenkombination, welches als Durchreiche zum gedeckten Aussenessplatz dient.

Vielfältig nutzbare Aussen- und Nebenräume
Räume neben, unter und über dem Volumen laden ein

Rund um das Wohnvolumen befinden sich Aussenräume mit unterschiedlichen Stimmungen und Nutzungs-möglichkeiten. Die Terrasse liegt auf gleicher Ebene wie der Wohnraum und verlängert diesen gleichsam nach aussen. Über eine Treppe gelangt man von hier direkt in den Garten. Terrasse und Landschaft fliessen ineinander.
Die vor den Schlafräumen angeordnete Loggia auf der anderen Seite der Wohneinheit hat hingegen eher privaten Charakter. Zwischen diesen beiden spannt sich ein dritter Aussen-raum auf. Wind- und wettergeschützt eigenet er sich als Sommersitzplatz, der auch in der Übergangszeit zum Verweilen einlädt.
Das traditionelle Tenn dient auch beim Anbau in der Scheune als Vorraum und Eingangs-zone zum Gebäude. Von hier aus betritt man das Treppenhaus, um in die Wohnung zu gelangen. Vom Tenn gelangt man auch in den ehemaligen Kuhstall unter dem Heuboden. Der grosszügige, ebenerdige Raum dient etwa als Werkstatt oder Spielbereich der Kinderschar. Auch für weitere Nutzungen wie ein Atelier steht noch viel Platz zur Verfügung.

Holzkonstruktion in bestehender Scheune
Verbindung von Bestand und Neubau

Der Anbau in der Scheune geht eine konstruktive Verbindung mit dem Bestehenden ein. Die Holzkonstruktion wird an die bestehende Tragstruktur der Scheune angebunden. Sie wird vom lokalen Unternehmer in der von ihm gewählten und bewährten Technik erstellt. Der Eingang hängt wie ein Rucksack am Körper ohne den Boden zu berühren, weil auch mal Hangwasser durch die Scheune fliessen kann. Durch bestehende Fenster und transparente Bauteile in der Scheunenwand kommt viel Licht in die Zwischenräume um den Wohnkörper. Alle der Witterung ausgesetzten Flächen sind vorfabrizierte Systembauteile, die sich durch hohe Qualität bei niedrigen Kosten aus-zeichnen. Bauteile mit begrenzter Lebensdauer können einfach ersetzt oder überarbeitet werden.

Baustelle in bestehender Scheune
Klare und einfache Organisation der Werkgruppe

Das Konzept Anbau in der Scheune setzt auf Fachkompetenz der beteiligten Handwerker. Die Vorgaben der Architekten beschränken sich auf die Form und die Laufrichtung der Maserierung. Alle Detaillösungen werden durch die Unternehmer gewählt. Die Bauherrschaft wählt die Farben und kann die roh belassenen Oberflächen jederzeit in Eigenleistung weiter bearbeiten. Eine für alle beteiligten klare und einfache Organisation bei Planung und Ausführung führt zu deutlichen Einsparungen für die Bauherrschaft. Die Planung endet mit der Baubewilligung und die Ausführung durch Werkgruppen macht eine Bauleitung beinahe überflüssig. Örtliche Handwerker übernehmen die Fachbauleitung ihrer Werkgruppe. Damit sind kurze Kommunikationswege und kompetente Gesprächs-partner für Abklärungen sichergestellt. Die Qualitätssicherung wird über alle Phasen durch den Architekten gewährleistet.
Der ganze Bau wird in der Scheune witterungsgeschützt erstellt. Dies schafft eine freie, von den Jahreszeiten unabhängige Terminplanung. Dank des grossen Platzangebotes sind die Arbeitsumstände für die Handwerker ideal, die Bedingungen ähnlich wie bei der Vorfabrikation in der eigenen Werkstatt.

Technische Installationen
Ökologie und Effizienz für ein gutes Wohnklima

Auch die haustechnischen Installationen sind effizient und ökologisch sinnvoll geplant und ausgeführt. Bestehende Installationen und Anschlüsse für Wasser, Kanalisation und Strom werden weiter genutzt. Aufwendige Erschliessungsarbeiten entfallen. Aus dem separaten Technikraum verlaufen die Installationen konzentriert an wenigen Stellen in das gedämmte Volumen. Sie werden alle in der Konstruktions- und Dämmebene geführt, zusätzliche Vor-wände sind nicht nötig. Der Einsatz von thermisch hochwertigen, organischen Materialien in der Hülle garantiert einen geringen Heizbedarf und ein behagliches Wohnklima. Zusätzlich kann eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung zu einer noch besseren Energiebilanz beitragen.